Lesekompetenz als Schlüssel zur Demokratiefähigkeit
Lesekompetenz gehört zum Fundament einer lebendigen Demokratie – denn nur, wer versteht, kann mitreden, hinterfragen und mitgestalten.

Unsere Demokratien stehen vor großen Herausforderungen
Fake News, gesellschaftliche Spaltung und politische Polarisierung bedrohen den offenen Dialog und das konstruktive Miteinander. In einer Welt, in der Informationen schnell verbreitet, aber oft nur oberflächlich konsumiert werden, gewinnt eine grundlegende Fähigkeit immer mehr an Bedeutung: kritisches Denken. Wie aber entwickeln wir diese Fähigkeit? Eine oft unterschätzte Antwort liegt in der Kraft der Lesekompetenz.
Lesen – im Sinne von 'deep reading' – ist weit mehr als die Aufnahme von Informationen. Es fördert unsere Fähigkeit, uns in andere hineinzuversetzen, unterschiedliche Perspektiven zu reflektieren und komplexe Zusammenhänge zu verstehen. Genau das sind essenzielle Fähigkeiten für eine funktionierende Demokratie.
Denn wer bereit ist, sich in die Gedankenwelt anderer hineinzuversetzen, ist in der Lage, die Komplexität einer Gesellschaft zu verstehen und entwickelt Empathie und Respekt – zwei Grundpfeiler eines demokratischen Miteinanders.
Stiftung Lesen – Deutscher Lesepreis 2025

Lesen ist viel mehr als eine Grundfertigkeit – es ist eine Superkraft!
… eine Superkraft, die Menschen verbindet, Türen öffnet und Träume Wirklichkeit werden lässt. Genau dafür setzt sich die Stiftung Lesen seit 1988 leidenschaftlich ein.
Ihr Ziel? Allen Menschen – unabhängig von Herkunft und sozialen Umständen – die Kraft des Lesens zu erschließen. Vor allem Kinder, Jugendliche und Familien in bildungsbenachteiligten Verhältnissen brauchen Unterstützung, um Zugang zu Geschichten, Wissen und neuen Perspektiven zu bekommen.
Mit unermüdlichem Engagement setzt sich die Stiftung gemeinsam mit Institutionen, Wissenschaftler:innen, Unternehmen und Ehrenamtlichen dafür ein, Lesefreude zu wecken und Bildungschancen zu verbessern. Denn wer liest, kann die Welt verstehen – und sie aktiv mitgestalten.
Alarmierende Zahlen – wo stehen wir aktuell?
- Jede dritte Familie liest nicht vor – verpasste Chancen für die Sprachentwicklung und Bildung von Kindern.
- Lesekompetenz in der Grundschule: Ein Viertel der Schüler:innen erreicht in der 4. Klasse die Mindeststandards im Lesen nicht – eine große Hürde für die gesamte weitere Lernentwicklung.
- Bücher zu Hause sind ein entscheidender Faktor: Mehr als die Hälfte der Achtklässler:innen ohne Bücher zuhause verfehlt die Mindeststandards im Lesen – mit gravierenden Folgen für ihre berufliche Zukunft.
- Erwachsene in Deutschland: Mehr als 6,2 Millionen Erwachsene in Deutschland können nicht lesen.
Diese Zahlen sind alarmierend, aber nicht unveränderbar.
Wie Ehrenamtliche mit Leseförderung unsere Gesellschaft stärken

Der Deutsche Lesepreis – ein Fest für Leseförderung und kreative Köpfe
Jedes Jahr feiert der Deutsche Lesepreis Menschen und Projekte, die mit außergewöhnlicher Leidenschaft Leseförderung in Deutschland vorantreiben. Er zeigt, wie vielfältig und inspirierend diese Arbeit sein kann: von innovativen digitalen Ansätzen über frühkindliche Sprachförderung bis hin zu kreativen Initiativen in Schulen, Bibliotheken und Kommunen.
Die Nominierten beweisen, dass Lesekompetenz der Schlüssel zu gesellschaftlicher Teilhabe und lebenslangem Lernen ist. Sie bauen Brücken zu neuen Welten – und verdienen höchste Anerkennung.
Aus fast 400 Bewerbungen wurden 50 herausragende Projekte und Persönlichkeiten in fünf Kategorien für die Shortlist nominiert. 15 von ihnen wurden am 18. Februar 2025 im festlichen Rahmen des Humboldt-Carrés in Berlin geehrt.
Die Preisträger:innen des Deutschen Lesepreises 2025
Kategorie: Herausragendes individuelles Engagement
Gefördert von der PwC-Stiftung
- Platz 1: Lale Öztürk – Bilderbücher erwachen durch Lale mit bunten Dias zum Leben
- Platz 2: Helen Daughtrey – Mädels, die lesen
- Platz 3: Jean-Dominique Risch – Lesen darf kein Privileg sein, Bücher in Kinderhände
Kategorie: Herausragendes kommunales Engagement
Gefördert vom Deutschen Städtetag & der Deutschen Fernsehlotterie
- Platz 1: Nachbarschaftsheim Wuppertal e.V. – Der Kinderlesewagen: Leseförderung auf dem Spielplatz!
- Platz 2: Regionalbibliothek Weiden – Regibert total verhext | Weidener Literaturtage 2024
- Platz 3: Johanniter Hilfsgemeinschaft Meerbusch – Johanniter Lesehund
Kategorie: Herausragende Sprach- und Leseförderung in Kitas
Gefördert von Fröbel e.V.
- Platz 1: Fröbel Kindergarten- und Familienzentrum Finkenberg
- Platz 2: Kinder- und Familienzentrum Nauborn
- Platz 3: Kita Evangelische Auferstehungsgemeinde
Kategorie: Herausragende Leseförderung an Schulen
Gefördert von der Arnulf Betzold GmbH
- Platz 1: 78. Schule – Grundschule der Stadt Leipzig
- Platz 2: Stadtschule Travemünde
- Platz 3: Willy-Brandt-Gesamtschule Bochum
Kategorie: Herausragende Leseförderung mit digitalen Medien
- Platz 1: TU Chemnitz – ZLB: LeOn – Leseraum Online
- Platz 2: Hans-Fallada-Schule: Sprechende Bücher – ein Peerprojekt zur Leseförderung
- Platz 3: Ursel Scheffler: "BÜCHERBRÜCKEN", die multilinguale App der "BÜCHERTÜRME"
🏆 Sonderpreis für prominentes Engagement der Commerzbank-Stiftung
Bernhard Hoëcker
Unser Lieblings-Preisträger: LeOn

LeOn – "Die digitale Muckibude fürs Lesen"
LeOn ist eine Bibliothek, die immer dort ist, wo sie gebraucht wird – nicht in hohen Regalreihen, sondern auf dem Schulcomputer, dem Tablet im Klassenzimmer oder zuhause am Schreibtisch. Ein digitaler Leseort, der einfach zugänglich und jederzeit nutzbar ist: Schüler:innen der 2. bis 6. Klasse können sich mit einem QR-Code einfach einloggen, loslegen und in ihre persönliche Lesewelt eintauchen.
Das Haus des Lesens
Damit niemand in der digitalen Umgebung den Überblick verliert, funktioniert LeOn nach einem einfachen Prinzip: Wie in einem Haus werden in verschiedenen "Räumen" gezielt unterschiedliche Lesekompetenzen gefördert – intuitiv und spielerisch. Lehrkräfte können ihre Klassen individuell begleiten, Lesefortschritte nachverfolgen und gezielt Fördermaßnahmen einsetzen.
Muckibude fürs Lesen
Mit jeder gelesenen Zeile wächst das Textverständnis, wird die Lesegeschwindigkeit geschärft und das flüssige Lesen gefördert. Anstelle von Hanteln und Laufbändern gibt es hier eine Leselernbibliothek mit rund 150 Texten, die genau auf die Bedürfnisse junger Leser:innen zugeschnitten ist. Das Besondere: Die Texte liegen in drei Schwierigkeitsstufen vor, sodass sowohl unsichere als auch geübte Leser:innen mit dem gleichen Inhalt arbeiten können – jede:r in seinem individuellen Tempo.
Die TU Chemnitz & das Ministerium für Schule und Bildung NRW
Die Technische Universität Chemnitz ist maßgeblich für die inhaltliche und methodische Ausgestaltung der Plattform verantwortlich. Unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Krelle wurde LeOn auf der Basis erprobter lesedidaktischer Methoden entwickelt. LeOn ist also nicht einfach ein digitales Tool – es ist ein wissenschaftlich fundiertes Leseprogramm, das aus der Forschung heraus entwickelt wurde und kontinuierlich weiter optimiert wird.
Erfolgsprojekt
Das Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen stellt LeOn völlig kostenlos über die Plattform Bildungsmediathek NRW allen Schulen in Nordrhein-Westfalen bereit. Über 150.000 Schüler:innen nutzen LeOn regelmäßig. Ein Erfolgsprojekt, das zeigt, wie moderne Leseförderung funktioniert – und das vielleicht bald nicht nur in Nordrhein-Westfalen, sondern in ganz Deutschland Schule macht.

Ex-CEO Dussmann KulturKaufhaus & Ullstein Verlage. Co-Founder von snackz.ai mit der Mission, Bücher sichtbarer zu machen.
